Tierschutzliga in Deutschland e.V.

 

 

Eine Organisation stellt sich vor

 

Gegründet wurde die TIERSCHUTZLIGA IN DEUTSCHLAND e.V. im Januar 1993. Der Gründung vorausgegangen war die Überlegung bzw. die Feststellung der Gründervereine, die zum damaligen Zeitpunkt alle bereits seit vielen Jahren intensive Tierschutzarbeit leisteten, daß ein einzelner Verein schnell einmal vor Probleme gestellt wird, die er allein überhaupt nicht bewältigen kann.

 

Gemeinsamkeit macht stark

 

Unter diesem Motto beschlossen die Gründervereine in Zukunft zusammenzuarbeiten und an die Lösung der zahlreichen Tierschutzprobleme gemeinsam heranzugehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen, die sich zu oft eher bekämpfen als daß sie Tierschutzarbeit leisten, stehen sich unsere Mitgliedsvereine gegenseitig bei. Es geht uns dabei nicht nur um die sogenannten Haustiere, sondern um alle Tiere in Not. So findet ein Pferd, ein Schaf oder ein Hängebauchschwein bei uns genauso Hilfe  wie Hunde, Katzen Vögel usw. Zu den Bewohnern unserer Tierheime gehören so neben Hunden und Katzen auch Pferde, Ziegen, Schafe und sogar sechzehn Hängebauchschweine.

 

Wir sind bundesweit tätig

 

Zur Erläuterung unserer Arbeit seien hier nur einige Beispiele genannt:

 

Unsere Vereine in Niederbayern bekommen zum Beispiel viel mehr Fund- und Abgabehunde herein, als die Vereine an anderen Orten. Niederbayern ist sozusagen die Hochburg der Hundezucht in Deutschland. Leider lassen sich in einem solchen Gebiet Hunde dann auch nur schwer vermitteln. Einige unserer Partnervereine wiederum sind in der glücklichen Lage, Hunde gut vermitteln zu können. Da versteht es sich dann von selbst, daß die Tiere, die in Niederbayern nur schwer vermittelbar sind und deshalb oftmals lange im Tierheime leben müßten, andernorts schnell an tierliebe Menschen vermittelt werden. Und weil unsere Partner vor Ort ständig präsent sind, bleiben die Tiere auch unter unserer Kontrolle und es ist sichergestellt, daß die Hunde in guten Händen sind.

 

Problemtier Katze

 

Ein großes Problem für alle Tierschutzvereine stellen die vielen freilebenden Katzen dar. Sie fristen ihr Dasein mehr schlecht als recht  in alten, stillgelegten  Fabriken, auf Bauernhöfen, in Kleingartenkolonien, manchmal auch auf Großparkplätzen, auf oder um Sportstätten, in Feriensiedlungen und nicht zuletzt sogar mitten in Großstädten. Die Tiere sind weder ausreichend mit Futter versorgt noch werden sie tierärztlich betreut. Sie sind in der Regel auch unkastriert, so daß sie sich schnell vermehren. Die Folge ist, daß die Tiere unter Krankheiten als Folge der Unterernährung leiden. Meist sind sie irgendwann den Anwohnern auch lästig und dann heißt es meist, die Tiere müssen verschwinden. Städte lösen das Problem dann damit, daß der Auftrag erteilt wird, die Tiere zu töten. Unsere Vereine versuchen, den Tiere zu helfen, damit sie nicht sterben müssen. Hier nur zwei Einsätze als Beispiele für die Arbeit der TIERSCHUTZLIGA IN DEUTSCHLAND e.V.

 

...an der Ostsee

 

Am Ende der Urlaubssaison 1994 stellte die Stadtverwaltung am Weißenhäuser Strand an der Ostsee fest, daß  in den Dünen hunderte verwilderter Katzen leben, die sich unkontrolliert vermehrten. Während des Sommers hatten Urlauber die Tiere gefüttert und versorgt. Am Ende der Saison aber empfand die Kurverwaltung die Tiere als störend. Diese Feststellung  wäre fast das Todesurteil für die Katzen gewesen. Sie sollten von Jägern erschossen werden. Der Auftrag dazu war auch schon erteilt, als unser Partnerverein, die MOBILE TIERRETTUNG e.V. von dem Fall hörte. Sofort wurde mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen, um die Abschußaktion zu stoppen und um Hilfe anzubieten, damit die Tiere am Leben bleiben konnten. Und so wurde dann sofort ein Team zusammengestellt, das an die Ostsee fuhr und Hilfe leistete. Über eine Woche lang wurden tagtäglich Katzen eingefangen und kastriert. Zahme Tiere, die sich anfassen ließen konnten direkt vor Ort vermittelt werden. Die anderen, scheuen Katzen wurde auf die Gnadenhöfe und Tierheime unserer Partnervereine verteilt. Dort können die Tiere in Ruhe, versorgt und vor Nachstellungen sicher weiterleben.

 

... und in Berlin und Brandenburg

 

Unsere Partnervereine, die AKB Katzenhilfe in Berlin und der Tierschutzverein Spremberg, widmen sich der Aufgabe, das Los der verwilderten Katzen zu verbessern, sie einzufangen und zu kastrieren. Zahme Katzen werden vermittelt.  Wo immer es möglich war, wurden die Katzen an ihrem angestammten Platz wieder in Freiheit entlassen. Allerdings nur dort, wo sichergestellt war, daß sie an Ort und Stelle versorgt und betreut  werden. Meist war das aber nicht möglich, weil an den Stellen gebaut wurde oder weil Anwohner die Tiere nicht duldeten. In solchen Fällen mußten die Tiere dann in unseren Gnadenhöfen untergebracht werden. So hat zum Beispiel unser Verein ABANDONNER e.V. die Möglichkeit, die scheuen Tiere als sogenannte Freigänger auf dem Tierheimgelände laufenzulassen. Sie werden gefüttert und überwacht, leben aber im großen und ganzen frei, so wie sie es gewohnt sind. Beide Vereine, der Tierschutzverein in Spremberg, und die ABK Katzenhilfe werden  zu  fast zu 100 % von der TIERSCHUTZLIGA IN DEUTSCHLAND e.V. finanziert. Ohne unsere Unterstützung könnten die Vereine längst nicht mehr arbeiten und ihren  Aufgaben gerecht werden.

 

Leider wird es wohl noch  lange dauern, bis sich die Situation für die freilebenden, verwilderten Katzen soweit geändert hat, daß wir sagen können, die Lage habe sich gebessert. Für die nächsten Jahre jedoch müssen wir uns alle in Sachen "Freilebende Katzen" noch auf viel Arbeit und Einsatz einrichten.

 

Aber auch andere Aufgaben hat unsere Organisation zu bewältigen. So konnten wir anderen, kleineren Vereinen helfen, ihre Tierschutzarbeit überhaupt erst aufzubauen bzw. weiterzuführen.

 

Hilfe für andere Tierschutzvereine

 

Das Tierheim in Hauzenberg  in Bayern war zum Beispiel durch bauliche Mängel und wegen personeller Schwierigkeiten nach einem Beschluss des Vorstandes geschlossen worden. Der Verein selbst hatte nicht die finanziellen Mittel, die baulich nötigen Veränderungen oder Personal zu bezahlen. Das Tierheim wäre verloren gewesen, wenn nicht die MOBILE TIERRETTUNG e.V. und unsere Organisation  dafür gesorgt hätten, daß das Tierheim umgebaut und renoviert wurde. Heute ist das Tierheim wieder  funktionsfähig, und steht auf eigenen Beinen.

 

Tierschutzfragen in den neuen Bundesländern

 

Seit der Wende gibt es überall im Osten große Probleme im Tierschutzbereich. Da sind zum einen die vielen verwilderten Katzen. Zum anderen verschärft sich die Situation von Tag zu Tag noch durch die wirtschaftliche Lage der Bürger. Bedingt durch die hohe Arbeitslosigkeit in den neuen Bundesländern sind viele Tierhalter in finanzielle Not gekommen und so werden mehr und mehr Tiere in Tierheimen abgegeben, weil ihre Besitzer nicht das Geld haben, die Tiere zu versorgen.

 

Um die Situation zu verstehen, muß man die besondere Situation des Tierschutzes im Osten Deutschlands  berücksichtigen. Nach dem Willen der Staatsführung in der DDR,  gab es kein Tierschutzgesetz und überhaupt keine Tierschutzvereine, weil das angeblich  überhaupt nicht nötig war (im Sozialismus hatte der Mensch laut  der Ideologie grundsätzlich gut zu sein). Zum anderen war nach DDR-Recht das Kastrieren von Haustieren überhaupt verboten. Dort steht der Tierschutz heute da, wo wir hier im Westen vor 40 Jahren angefangen haben.

 

Angesichts dieser Tatsache ist es nötig, im Osten Tierheime und Gnadenhöfe zu errichten, denn an Unterbringungsmöglichkeiten für Abgabe- und Fundtiere mangelt es ganz besonders. Unsere Organisation bzw. unsere Partnervereine sind hier schon einen ganz schönen Schritt weitergekommen.

 

Im März  1995 kaufte unser Mitgliedsverein TIERE IN NOT e.V., Dachau,  in Ahlum, einem Ort in der Nähe von Salzwedel gelegen, einen ehemaligen Bauernhof, der zu einem Tierheim mit Gnadenhof ausgebaut wurde. In Zusammenarbeit  mit dem ALLGEMEINE N TIERHILFSDIENST e.V., dem die Leitung des Tierheimes obliegt, wird seit November 1995 das Anwesen auch als solches genutzt. Auch wenn der Ausbau als solcher beendet ist, es gibt immer wieder etwas zu tun. Zäune müssen erneuert werden, eine neue Heizung ist fällig und die Dächer müssen dringend abgedichtet werden. Heute leben auf dem Hof durchschnittlich 170 Hunde, 50 Katzen, und ein Hängebauch- und ein Hausschwein.

 

Im Februar 1996 konnte die TIERSCHUTZLIGA IN DEUTSCHLAND e.V. in der Nähe von Cottbus eine ehemalige Raketenabschußbasis der NVA ankaufen. Auf dem  110.000 qm großen Gelände entstand langsam das zumindestens flächenmäßig größte Tierheim in Deutschland. Insgesamt vierundzwanzig vorhandene ehemalige Kasernengebäude werden nach und nach umgebaut und für Tiere nutzbar gemacht. Heute leben über 500 Katzen, über 130 Hunde und diverse Kleintiere auf dem Gelände. Die Bauarbeiten dauern noch immer an. Dieses Vorhaben ist so gewaltig, daß wir damit rechnen, die nächsten Jahre hier alle Kräfte einsetzen zu müssen und einen großen Teil unserer finanziellen Mittel auf dieses Objekt konzentriert sind.

 

Im Sommer 2000 stellte unserem Partnerverein ALLGEMEINER TIERHILFSDIENST e.V. eine Stuttgarter Tierfreundin ein großes Haus im Schwarzwald als Tierheim zur Verfügung. Dank der großzügigen Spenderin, die sich auch noch an den Aus- und Umbaukosten beteiligte, entstand in Horb-Untertalheim eine schöne Anlage für Hunde und Katzen. Im März 2001 konnten wir dann die Eröffnung festlich begehen. Der Betrieb im Tierheim läuft auf vollen Touren. Durchschnittlich leben jetzt 40 Hunde uns 50 Katzen im Haus.  Inzwischen gilt unser Tierheim in Horb bei den Behörden als absolutes Vorzeige-Tierheim in der gesamten Region.  Dank der nähe zur Großstadt Stuttgart können wir in Horb auch sehr gut Tiere vermitteln, so dass das Tierheim dort die anderen Tierheime entlasten kann und auch für die Kollegen der anderen Vereine Tiere vermittelt werden können. 

 

Politiker zum Handeln zwingen

 

Auch wenn der Hauptschwerpunkt unserer Arbeit im sogenannten "Karitativen Tierschutz" liegt, schließt das jedoch nicht aus, daß wir auch ab und zu bei politischen Tierschutzaktionen mitwirken. So haben unsere Vereine Unterschriften gegen Tierversuche und gegen die langen Transportzeiten für Schlachttiere gesammelt. Dem Bundeslandwirtschaftsminister konnten dann auch über 600 000 Unterschriften übergeben werden.

 

In einer großen Aktion haben wir Unterschriftskarten an die Bevölkerung verteilt. Mit diesen Karten, gerichtet an die EU-Kommissionen in Brüssel und Paris, wird gegen die Bestrebungen der EU protestiert, die Zulassung von Alternativmethoden als Ersatz für Tierversuche zu verweigern und neue, unverhältnismäßige Auflagen nachzuschieben. Die Kartenaktion war sehr erfolgreich, über 10.000 Karten wurden in ganz kurzer Zeit verteilt und an die EU geschickt.

 

Im Sommer 2000 lief eine Unterschriftenaktion gegen das grausame Töten von Windhunden in Spanien, wenn ihre „Kariere“ als Rennbahnhund beendet ist.

 

Bleibt noch zu sagen, daß es für unsere Vereine selbstverständlich ist, für Tiere in Not jederzeit dazusein. Unsere Einsatzzentrale ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar und kann in ganz  kurzer Zeit, auch nachts oder am Wochenende, ein Einsatzfahrzeug losschicken, um ein verletztes Tier zu bergen, einer Tierquälerei nachzugehen, ein Fundtier abzuholen oder ein streunendes Tier einzufangen. 

 

Für die Zukunft haben wir uns vorgenommen, alle an uns herangetragenen Tierschutzprobleme zu lösen, bzw. zu einer Lösung beizutragen. Dabei werden wir, wie auch bisher, keinen Unterschied machen, ob ein Tier in Bayern, in Brandenburg oder in Hessen in Not kommt - wir werden helfen - ohne Ansehen des Tieres, des Ortes oder des Zeitpunktes, zu dem Tierleid gelindert werden muß.

 

 

Berlin im Mai  2003