Dominikanische Republik

Ein Paradies, aber wer will schon arbeiten in einem Paradies.

Es ist ca 10 Jahre her als wir das erste Mal einen Traumurlaub in die Karibik planten und umsetzten. Als Ziel wählten wir die Dominikanische Republik und dort den schönen Bavaro Beach bei Punta Cana. Es war einer der schönsten Urlaube die wir bis dahin jemals gemacht haben. Es herrschte eine ganz besondere Stimmung bei allen die uns im Hotel umgaben. Eine Stimmung die sich sofort übertrug und einen selbst in Schwingung versetzte. Das Wetter, das Land, das Karibische Meer und die Leute vor Ort, eine perfekte Mischung die einen innerlich befreite und dadurch zur vollständigen Erholung beitrug.
Schon damals wurde man darauf hingewiesen, dass die Dominikanische Republik nicht zu den reichen Ländern dieser Welt zähle und vieles im argen liege, aber die Lebensfreude der Menschen war echt und kam von Herzen, denn nur so kann sie sich übertragen. Nur so.

10 Jahre später und für uns 5 urlaubsbefreite Jahre am Stück - das Los der Selbständigkeit – erinnerten wir uns immer noch an diesen Urlaub im Paradies der Dom Rep. Und wir beschlossen, es ist Zeit, Zeit diese Lebensfreude wieder zu genießen und nachzutanken. Auch diesmal sollte es an den Bavaro Beach gehen, zur gleichen Jahreszeit Okt – Nov, nur ein anderes Hotel haben wir uns ausgesucht. Das Iberostar Bavaro Hotel, das mit beachtlichen fast 100% von allen Urlaubern positive Beurteilungen in den Internetforen erhalten hatte. Als Reiseveranstalter wählten wir die Firma Thomas Cook, die uns mit der Air France über Paris nach Punta Cana schickte.
Als Foto Journalist konnte ich es kaum erwarten, die besonderen Lichtstimmungen die die Karibik bereit hält einzufangen und beschloss meine große Kamera Ausrüstung mit einzupacken.
Als Verpackung diente ein eigens angeschaffter Trolley, der neben der Ausrüstung auch noch die Wechselkleidung usw. aufnehmen konnte. Ich wusste zwar, dass eine Kameraausrüstung im sogenannten Handgepäck durch jeden Sicherheitscheck muss und dort überprüft wird, aber es erschien sicherer diesen Weg zu wählen als das Risiko, dass eventuell ein Koffer im Transit hängen bleibt oder gar verloren geht. Das Handgepäck kann man selbst kontrollieren und beachten.
Alles ging gut, alle Sicherheitschecks und Passkontrollen. Nach insgesamt 15 Stunden Flugzeit (durch die Unterbrechung in Paris) erreichten wir Punta Cana. Das Wetter bescherte uns gleich mal einen tropischen Empfang, 19:00 Ortszeit und abgeflogen bei 10°C betrug die Temperatur nun 29° und das obwohl es bereits dunkel war. Gern nahm man die letzten Prozeduren in Kauf. Warten am Gepäckband, Ausfüllen des grünen Einwanderungsformulars, der Touristenkarte und Zahlung der 10 $ Einreisegebühr.
Vielleicht etwas zu auffällig, die vielen Gepäckträger die sich förmlich darum rissen, einem das Gepäck aus der Hand zu nehmen um es zum Transferbus in die Hotelanlage zu bringen. Wir beschlossen jedoch, dies selber zu bewerkstelligen. Die Reiseleiterin die außerhalb des Flughafens hinter einem Schalter saß, nannte uns die Busnummer und wir machten uns auf den Weg über den großen Parkplatz vor dem Ankunftsgebäude. Mit drei Koffern und viel zu warmer Kleidung war es ein ganz schöner Marsch, wir wunderten uns, warum ausgerechnet dieser Bus soweit hinten geparkt war. Aber er stand dort nicht allein, viele andere Busse waren ebenfalls dort rechts und links daneben geparkt.
2 freundliche Dominikaner nahmen uns in Empfang und bestätigten, dass wir den richtigen Bus gefunden haben. Nahmen uns das Gepäck aus der Hand und verstauten es im Stauraum des Busses seitlich unter der Fahrgastzelle. Wir stiegen ein und freuten uns mit der letzten Etappe endlich in den Urlaub starten zu können, Sonne und Lebensenergie tanken.
Im Bus war es fast schon wieder zu kalt, die Klimaanlage lief auf Hochtouren und ein seltsames Geräusch kam aus den Lautsprechern, auch sah man nicht heraus, denn sämtliche Vorhänge waren zugezogen. Der Bus selbst war fast voll besetzt, aber man weiß ja inzwischen, diese Busse fahren nicht nur ein Hotel an sondern sicherlich 3 – 5. Langsam machte sich etwas Unruhe breit, zum einen wegen des komischen Geräusches aus dem Lautsprecher und zum anderen sicher weil man nun endlich los wollte und der Meinung war, genug Zeit mit warten verbracht zu haben. Aber dafür gab es eine Erklärung. Plötzlich steckte die Reiseleiterin den Kopf in den Bus und fragte nach 2 Personen, die offensichtlich noch fehlten. Als sich niemand mit dem Namen meldete ging sie wieder, aber der Fahrer schaltete endlich das störende Geräusch aus, wie man feststellte war es das Geräusch einer digital hängengebliebenen CD und nun erklang die landestypische Musik aus den Lautsprechern. Seltsam dass er dies nicht vorher bemerkt hatte. Es vergingen weitere Minuten des Wartens als endlich die 2 fehlenden Personen auftauchten. Entschuldigend erzählten sie, dass einer ihrer Koffer fehlen würde und man diesen jetzt aber in Paris entdeckt hätte. In 2 bis 3 Tagen würde er zugestellt werden. Wie gut das wir unser Kamera Equipment nicht in den normalen Koffer gepackt hatte, genau dieses Schicksal hätte uns auch treffen können.
Endlich ging es los, der Busfahrer nahm auf dem Fahrersessel Platz und der Bus bewegte sich in Richtung Hotels. 30 bis 40 Minuten schätzte ich dauerte die Fahrt. Ganz plötzlich tauchte eine Einfahrt auf der rechten Seite der Straße auf mit einer riesigen Steintafel auf, eingemeißelt stand dort Iberostar Resort. Eine Straße die 10-mal besser war als die, auf der wir gekommen waren, führte nach passieren einer aufwändigen Schranke mit einem luxuriösen Schrankenwärterhaus in die Hotelanlage. Wer jetzt glaubt gleich dahinter befinde sich das Hotel… Nein hier ist erst mal der Golfplatz auf der linken Seite, rechts kann man im Dunkeln (ab 18 Uhr beginnt die Dämmerung um 18:30 Uhr ist es Nacht – man merkt die Nähe zum Äquator) einen Rohbau erkennen. Ich vermute das neue Clubhaus zum Golfplatz. Weiter geht es an einem Gebäude vorbei mit riesigen Satelliten Antennen auf dem Dach. Die Straße läuft immer wieder auf kleine Kreisel zu an denen mehrere Straßen einmünden, zur Geschwindigkeitskontrolle sind sogenannte „Bumps" eingezogen. Der Fahrer scheint sie alle zu kennen, er gibt nach jedem Vollgas um dann vor dem nächsten eine Vollbremsung zu vollziehen, „Race between the Bumps" würde ich das nennen. Plötzlich öffnet sich die Straße und wird zu einer runden Hotelauffahrt, wir haben es erreicht das Iberostar Bavaro.. unser Hotel für die kommenden 10 Tage. Da wir ganz vorn gesessen sind waren wir die Ersten die den Bus verlassen konnten. Gepäckpersonal hatte sich schon bereit gestellt um die Koffer zu entladen, aber ich drängelte an ihnen vorbei und sah ihn schon „meinen Trolley", den wollte ich unbedingt sofort an mich nehmen und würde ihn auf keinen Fall von den Gepäckträgern aufs Zimmer bringen lassen, immerhin enthielt er meine wertvolle Fotoausrüstung.
Wir erhielten Anweisung zum „Check In" Schalter an der Rezeption zu gehen. Das ungewöhnlich warme und konstante Klima der Dom Rep hat eine sehr offene Bauweise hervorgebracht, keine Hoteltüren oder Fenster in der Hotelhalle, alles offen. Sehr schön und vertrauenserweckend. Am „Check In" Schalter der Rezeption empfingen wir unsere Unterlagen mit den Hotelkarten zum öffnen der Zimmer. Auf uns wartete eine sogenannte Junior Suite mit der Nummer 2644. Kurz noch eine kleine Einweisung und dann gab es die obligatorischen „All Inklusive Bänder" in leuchtendem Orange mit 5 Sternen. In den Unterlagen waren ebenfalls kleine Gepäckaufkleber die wir an unseren Koffern anbrachten (bis auf den Trolley) damit man sie zu den Zimmern bringen konnte und dann ging es mit der Übersichtskarte vom Hotel auf Suche nach 2644. Alles hervorragend ausgeschildert und wir fanden den kleinen Komplex auf Anhieb. 2 stöckige Apartmenthäuser mit jeweils 4 Parteien pro Eingang, 2 unten und 2 im oberen Stock. Wir waren oben mit Ausblick auf das Hauptgebäude mit der Hotelrezeption.
Am Empfang hatte man uns gesagt, dass die Zimmertresore noch nicht funktionieren und man erst am nächsten Tag den passenden Code bekommen könnte. Aber er war groß genug um auch das Kamera Equipment weitgehend aufzunehmen. „Lass es uns gleich mal ausprobieren!" wir öffneten den Trolley und wollten….
Tja da war nichts mehr. Keine Kamera, die Tasche in der sie verpackt war.. leer.
Wir starrten den Koffer an, uns an, ja wo nur?? Und dann kam es uns. Im Transfer Bus, die Musik die nur laute Geräusche machte, die zugezogenen Vorhänge der Platz weit hinten am Parkplatz, die von der Flugreise müden Urlauber, die sich endlich zu entspannen beginnen, vertrauensvoll dem Busfahrer und seinem Helfer das Gepäck überlassen, der perfekte Tatort um in Ruhe das Gepäck zu öffnen und brauchbares zu entnehmen.
Rasch rannten wir aus dem Zimmer zur Rezeption, aber der Bus war bereits unterwegs zu den nächsten Hotels. Die Rezeption stellte sicher dass wir die Sachen schon im Hotel nicht mehr hatten und fühlten sich deshalb nicht zuständig. Wir wurden auf die zuständige Reiseleiterin verwiesen die erst am kommenden Tag erscheinen würde um routinemäßig ihre zu betreuenden Urlauber zu begrüßen.
Willkommen im Paradies der Dom Rep 2009, 10 Jahre später

Wie geht man mit Verlusten und Enttäuschungen um? Es zieht einen in seinen Bann, man sieht die Umgebung mit anderen Augen. Das Paradies verliert seine energiespendende Wirkung. Das freundliche Lächeln um einen herum wird zur Farce. Man fragt sich unwillkürlich nach dem Warum. Sucht nach Schuldigen und will sie vor allem finden. Im Gespräch mit der Reisegruppe und der Reiseleiterin stellte sich heraus, wir waren nicht allein betroffen. 4 weiteren Urlaubern wurde im gleichen Bus etwas entwendet, da hilft auch nicht die Erkenntnis, dass man mit seinem Verlust von fast 6000€ das „Golden Goal" war, der Gewinner mit dem höchsten Verlust. Aber es erzeugt eine sogenannte Betroffenengemeinschaft. So schnell hatten wir noch nie Bekannte an einem neuen Ort.
Die Reiseleiterin verteilt Schadensformulare und tröstet mit den Worten, auch ihr wurden bereits der Laptop, das Gehalt und das Handy geklaut. Was genau hält sie an diesem Ort?
Eine Anzeige bei der Polizei? Davon rät sie ab. Die Polizei hätte kein Interesse an einer Aufklärung, ohne entsprechendes Schmiergeld würde man nicht einmal einen Beamten zu Gesicht bekommen. Ob man jemals ein Protokoll der Anzeige bekäme innerhalb der Zeit die man vor Ort ist (in unserem Fall 10 Tage) ist mehr als unwahrscheinlich und würde für uns und allen anderen nur einen weiteren verlorenen Tag bedeuten. In ihrer darauf folgenden Einweisung des Hotels und sonstigen buchbaren Events ging es im Grunde mit ständigen Warnhinweisen gegenüber der Landesbevölkerung und den damit verbundenen Gefahren weiter. Wir kamen zu der Erkenntnis, dass ca 80% der Erklärungen Warnhinweise waren und man eigentlich das Hotel nicht verlassen sollte. Nun ja, in unserem Fall war das Interesse an einer Tour um Land und Leute kennenzulernen sowieso erloschen. Im Gegenzug machten wir der Reiseleiterin ein Angebot. Da wir genau wussten, wann und wo das Equipment geklaut wurde, möge man doch versuchen dem Busfahrer zu unterbreiten, dass wir bereit sind einen hohen Finderlohn zu bezahlen, sollte die Kameraausrüstung „zufälliger Weise wieder auftauchen". Sie versprach sich darum zu kümmern und wir sollten sie am kommenden Tag treffen.
Einen Tag warten mit Fragen die man hat, mit Problemen sich auf seinen Urlaub zu konzentrieren. Freundliche „Holas" nur mit einem Kopfnicken zu erwidern und Trinkgelder aus Wut nicht zu hinterlassen. Ist es verwunderlich das man plötzlich eine Art Sippenhaftung empfindet und jeden als Schuldigen betrachtet? Hätte man ein Angebot gemacht um nach Hause zu fliegen, wir hätten es angenommen. Die gutgemeinten Ratschläge von Mitreisenden (die von dem Verlust erfahren hatten und inzwischen auch wussten, das ich eine Fotodokumentation über das Reiseziel geplant hatte) „nun könne ich mich vollkommen auf Erholung konzentrieren", nahm ich nicht wirklich als Aufmunterung wahr. Hinzu kamen auch die Überlegungen, Aufträge, die nach dem Urlaub auf mich warteten, nicht mehr rechtzeitig erledigen zu können. Die Angebote lassen es auch nicht zu mit geliehenem Equipment zu operieren, da dies einen erhöhten finanziellen Aufwand bedeutet.
Gefangen im Paradies, mit dem Gefühl der 100% Handlungsbeschränkung.

Auch der 2te Tag brachte nichts Neues und die Stimmung will sich nicht erholen. Die Hoffnung stirbt zum Schluss, das stimmt nicht, sie stirbt in Raten. Lange Strandspaziergänge zeigen die Schönheit der Karibik in dem Anschnitt des Bavaro Beach, Fotoideen entstehen. Gibt es eine Möglichkeit sie doch umzusetzen. Vielleicht kann man ja zumindest eine kleine Digitale Kamera kaufen oder ausleihen. In der Hotelanlage gibt es einen Shop. Hier fragen wir nach. Wow, man möchte für eine 10Megapixel Kodak Kamera 500$ haben. Am Flughafen in München kostet das gleiche Model ca 145€. Zum ersten Mal beginnen wir uns für das Preisniveau hier in der Hotelanlage zu interessieren. Vor 1 1/2 Jahren hatte ich mir das Rauchen abgewöhnt. Nicht wirklich abgewöhnt, ich bin auf das sogenannte E-smoking (eine durch elektrische Hitze erzeugte Verdampfung in Zigarettenform) umgestiegen. Leider war das Ladegerät gleich neben der Kamera gelegen und somit auch geklaut worden. Der Dieb dachte sicher, das ist ein wichtiges Kamerateil. Nach all dem Stress stieg der Drang nach einer Zigarette enorm an. 8$ wollte man im Laden für eine Schachtel. Rauchen ist Luxus, wohl auch in der Dominikanischen Republik. Oder hat diese Preispolitik noch andere Gründe. In den Wirtschaftsnachrichten hatte ich gelesen, dass man der Dom Rep wichtige Kredite gesperrt hatte, wegen rüpelhaften Benehmens. Dadurch entsteht sicher ein Devisenmangel der ausgeglichen werden muss. Touristik ist mit 30% des Bruttosozialproduktes eine der wichtigsten Einnahmequellen, vor allem aber die, mit der man Devisen beschaffen kann. Vielleicht ist das Bewusstsein der derzeit herrschenden Weltwirtschaftskrise auf der Dom Rep noch nicht angekommen, aber sie wird es tun und bei „der" Preispolitik wird das Devisenbeschaffungsprogramm zusammenbrechen. Garantiert. Die Hotelauslastung (es ist Oktober Nebenzeit) lag bei ca 1/3 der Hotelkapazität. Das neugebaute Bavaro Grand Hotel, auf das man mit kleinem Aufpreis hätte vor Ort hätte umbuchen können, stand fast leer. Innerhalb der kommenden 4 Tage wurde das Hotelpersonal drastisch reduziert. Ab November startet die Hauptsaison, höhere Preise sind dann angesagt. Unsere Beobachtung, die Gästezahlen schrumpften weiter. Wird damit auch die Beschaffungskriminalität weiter ansteigen? Wenn es jetzt jeden 5ten Urlauber trifft wie wird es sich entwickeln? Werden Reiseversicherungen das Urlaubsziel Dom Rep aus ihren Versicherungspolicen streichen?
Rundumschutz im Paradies, wer kann sich das in Zukunft leisten.

Nach neueren Meldungen will man der Dom Rep doch wieder Kredite geben. Von 1,5 Milliarden ist die Rede. Geld das man unbedingt braucht um die Infrastruktur des Landes zu verbessern. Nun ja nicht das Straßennetz, sondern das Steuernetz, bzw. das der Eintreiber. Bisher konnten zuständige Finanzämter wohl nicht die ausstehenden Steuerschulden eintreiben, um das zu verbessern und natürlich die Rückzahlung des Kredites zu sichern gewährt man der Dom Rep trotz ihres noch nicht so ganz verjährtem rüpelhaften Benehmens erneut Kredit. Sicher wichtig in einem Land, das zwar eine allgemeine Schulpflicht hat und über die älteste Universität Amerikas verfügt, aber die vorgeschriebenen Schuluniformen derart teuer macht, dass sich die meisten Familien nicht leisten können ihre Kinder in die Schule zu schicken.
Gern würde ich mich mit dem Gedanken anfreunden, dass meine geklaute Kamera wenigstens jemanden hilft. Aber ich glaube es nicht, der Dieb wusste sicher nicht welchen Wert das Gerät hat und war froh es schnell wieder los zu werden.
Als wir auf das Iberostar Hotel Gelände eingebogen sind, fiel uns ein großer Golfplatz auf und ein Gebäude, das offensichtlich das zukünftige Clubhaus werden soll. Golf, auch einer der Devisen bringenden Marketing Lügen. Man erzählt Investoren, dass mit Golfplätzen ein gehobenes Kaufklientel gewonnen werden kann, schnell noch ein paar Villen gebaut und schon kann der Dollar rollen. Diese Villen gibt es inzwischen tatsächlich. Wo früher Wellblechhütten standen sind nun schicke Villenviertel entstanden, hinter hohen Schutzmauern. Hier zeigt sich, dass ein Schulbesuch recht nützlich gewesen wäre. Gehobenes Klientel, das bedeutet gehobenes Image, allerdings ein Image das vorhanden sein muss. Kriminalität ist in dem Fall das falsche Image und führt zur Missachtung. Niemand der vor Neidern und Kriminellen Angst hat, wird hier wohnen wollen. Zur Erklärung: Das nennt man auch das Ballermann Syndrom. Auf Mallorca versucht man seit langem sich von diesem Schandfleck zu befreien. Einige Investoren würden gern auf Mallorca ihre Idee von hochpreiseigen Villengegenden mit Golfplätzen verwirklichen. Leider stört dieser Ballermann aufgrund seines Images ihre Umsetzung. Dumm nur das nach wie vor der Ballermann einer der Hauptattraktionen dieser Insel ist und sich nicht ohne Verlust vertreiben lässt.
Sozialneid der Untergang des Paradieses

Nach 4 Tagen erleben wir etwas Besonderes. Die Anspannung ist weg. Dinge die man nicht ändern kann, kann man nicht ändern, aber sich selbst ändern, das geht. Mit der Akzeptanz beginnt auch die Veränderung. Wir lassen uns auf den Urlaub ein. Das Wetter, die Landschaft, die Natur alles ist besonders in der Karibik. Wir beginnen es in uns aufzunehmen. Die Hotelanlage des Iberostar Bavaro (sie wurde gerade wieder prämiert) ist wirklich beachtlich. Es ist sehr sauber, an allen Ecken wird geputzt. Der Service sehr zuvorkommend. Viele Familien befinden sich im Hotel. Das Abendprogramm im hoteleigenen Theater sehens- und hörenswert. Essen! Essen kann man hier rund um die Uhr. Vielleicht ein kleines Manko ist das Buffet. Hier entstehen zu viele Gerüche auf einmal. Es fällt schwer sich auf etwas zu konzentrieren. Frisch ist die Ware allemal. Das besondere, man kann in fünf weiteren à-la-Card Restaurants speisen und das Gourmet Restaurant könnte man sogar mit einem Stern versehen. Was wir vermissen ist jedoch die heitere Ausgelassenheit, die wir vor 10 Jahren erlebt haben. Das freundliche Lachen ist inzwischen doch einem kalkulierten Lächeln gewichen, die Herzlichkeit gegen eine Geschäftigkeit getauscht worden. Dinge die nicht vom Herzen kommen können nur schwer übertragen werden. Die Gesichter der meisten Urlauber spiegeln das wider. Man sieht kaum Lachen und Herzlichkeit in ihren Gesichtern.
Verliert das Paradies sein Herz?

Erst einmal in Urlaubstimmung kommt auch die Lust etwas Neues zu erleben. Neben dem Hotelanimationsprogramm gibt es einiges an Outdoor Erlebnissen. Touren auf denen man viel fotografieren könnte kamen jetzt nicht in unsere engere Auswahl aber da gab es eine Sache die wollten wir uns ansehen. Schwimmen mit Delfinen. Wir wählten den Besuch des Dolphin Explorer Parks der sich ebenfalls am Bavaro Beach befindet. Es gibt inzwischen mehrere Anbieter die das „Schwimmen mit Delfinen" im Programm haben, einige davon sind sehr umstritten, da sie die Tiere in Swimming Pools halten. Der Dolphin Explorer Park hat ein großes Meeresbecken. Die Delphine bleiben in ihrem natürlichen Element nur das sie sich innerhalb von Einzäunungen bewegen können. Warum dieser Park auch einen weißen Tiger zur Schau stellt bleibt jedoch ein Rätsel und gibt den Freunden der artgerechten Tierhaltung sicher sofort ein ablehnendes Gefühl gegenüber der gesamten Einrichtung. Nicht ganz billig kostet diese Tour 129$ pro Person. Nach ca 30 Minuten Fahrt auf der Ladefläche eines dieselstinkenden LKWs erreicht man den Park und bekommt an der Eingangsinformation einen zeitlichen Ablaufplan sowie Farbbänder für das Handgelenk überreicht. Als erstes geht es zur Ausgabe von Schwimmwesten, dann zu dem Pool für die Seehunde. Hier würde man den Begrüßungskuss des Seehundes erhalten. Den Fotografen sei gesagt, man gibt hier niemanden eine Chance auf eigene Fotos, man verbietet es nicht sondern stellt einen nur derart Abseits dass nichts zum fotografieren da ist. Fotos will man ihnen natürlich von den eigenen Fotografen verkaufen. 10 Stück 100$. Mit Argusaugen habe ich jede Kamera angeschaut die mich fotografiert hat, irgendwie hatte ich das Gefühl ich werde gerade mit der eigenen Kamera fotografiert und muss dann hinterher auch noch die eigenen Bilder teuer bezahlen. Nach dem wirklich feuchten Kuss des Seelöwen ging es zum Meeresbecken in dem die Delphine schwimmen. Hier wurden wir nach den Farbbandmarkierungen in kleine Gruppen eingeteilt und einem Delphin Trainer zugewiesen. Er ging mit uns in das Becken und es begann eine wirklich beeindruckende Erfahrung in der Begegnung mit einem Delphin. Es ist das natürliche Lachen das ein Delphin in seinem Gesicht trägt, dass ihn sofort sympathisch macht, würden wir nur seine Zahnreihen sehen, dann fühlten wir uns sicher anders, die sind ganz schön massiv. Der Trainer zeigte uns die Zeichen, mit denen wir uns delphinisch verständigen konnten und jeder bekam Gelegenheit verschiedenste Übungen mit dem Delphin zu erleben. Der Delphin zog einen an seiner Rückenflosse oder auch an seinen Brustflossen, schob einen durchs Wasser oder tanzte mit einem. Er sprang sogar auf Zeichen über einen hinweg. Das erste Mal seitdem wir in der Dom Rep sind habe ich Menschen von ganzem Herzen lachen gesehen und konnte eine fast überschäumende Stimmung fühlen. Tiere machen einem nichts vor, sie sind wer und was sie sind. Diese Delphine erinnerten mich an die Menschen die ich vor 10 Jahren in der Dom Rep kennen und schätzen gelernt hatte.
Delphine die Bereicherung des Paradieses

Da das Urlaubsgefühl erst sehr spät zu uns kam verflogen die noch verbleibenden Tage natürlich wie im Flug und kaum hatten wir uns so richtig eingestellt mussten wir unsere Sachen wieder packen. Sonntag um 17.15 Uhr sollten wir vom Bus abgeholt werden. Leider ist es üblich, dass man bereits um 12 Uhr das Zimmer räumen muss. Nun ja für 50$ pro Person hätten wir es tatsächlich für weitere 4 Stunden haben können. Das Devisenbeschaffungsprogramm war mal wieder aktiv. Die All-Inklusive Bänder nahm man uns allerdings nicht ab, wir waren bis zum Schluss in der Verpflegung. Immerhin. Für Familien mit mehreren Personen sei hier gesagt, das Hotel stellt einen Raum mit 2 Duschen zur Verfügung um sich reisefertig zu machen. Nur drängen sich da dann kurz vor Abholung 10 bis 20 Personen und der Bus wird sicher nicht solange warten können. Der Rücktransport zum Airport Punta Cana fand in einem kleinen Mercedes Sprinter statt, nicht wie bei der Ankunft in einem großen Tourbus. Das Gefühl trog nicht, die Urlauberzahlen hatten enorm abgenommen.
Gegen 21 Uhr betraten wir die B777 der Air France und schnallten uns fest. Die Stewardessen gingen durch die Gänge und kontrollierten die Sitzenden. Sie kamen wieder und plötzlich hatte man einen beißenden Geruch in der Nase und brennende Augen. Mit Sprühdosen in der Hand wurde man mit einem Insektizid eingenebelt.
Man soll das Paradies schließlich nicht mit Krankheitserregern verlassen

Warum die Air France einen noch zusätzlich mit dem servierten Essen zu vergiften versucht hat???

Noch eine kleine Marketing Regel zum Nachdenken. Ein zufriedener Kunde wird 2 – 3 weitere Personen positiv beeinflussen. Ein unzufriedener Kunde erreicht dagegen 20 – 30…

R.Ey