Kommentar
Sich in dieser Zeit für Politik und damit für das, was in unserem Lande passiert zu interessieren, das ist derzeit eher eine Horrorvision. Täglich berichtet die Presse über Probleme in der Wirtschaft. Da wird diskutiert über staatliche Hilfen für von Managern an die Wand gefahrene Banken. Wir hören von Übernahmebürgschaften in Millionenhöhe für marode Autofirmen, es gibt Abwrackprämien für alte Autos und für pleite gegangene Kaufhauskonzerne.
Es ist schon seltsam, woher plötzlich all diese Millionen kommen und wie selbstverständlich hier Geld verteilt wird, von dem wir vor ein paar Wochen noch nicht einmal wussten, dass es überhaupt da ist. Nur wenn es um Tierschutzbelange geht, dann gibt es in unserer derzeitigen Regierung eine sehr seltsame Zurückhaltung, um nicht zu sagen Verweigerungshaltung. In den letzten Tagen habe ich bei der Betrachtung dessen, was da im Parlament bzw. im Agrarausschuss passiert, Gänsehaut bekommen. Die Haare stehen mir zu Berge, wenn ich lese, was bei der letzten Sitzung des Ausschusses heraus gekommen ist. Es geht, wie schon so oft, um die Stellung des Tierschutzes in der Politik. Was sich da so abspielt ist wirklich kaum zu fassen.
Die Politiker der Großen Koalition, also die SPD/CDU/CSU-Regierung scheinen im Augenblick wirklich alle nur noch Wahlkampf im Kopf zu haben, der gesunde Menschenverstand ist den gewählten Volksvertretern irgendwo abhanden gekommen. Wie sonst könnte es passieren, dass gleich mehrere Gesetzentwürfe aus den Reihen der Bündnis 90/Grüne zur Verbesserung der Bedingungen für Tiere in besagtem Agrarausschuss des Bundestages abgelehnt und mit fadenscheinigen Gründen die Entscheidung auf später, auf die neue Legislaturperiode verschoben wurde. Die FDP enthielt sch geschlossen der Stimme. Nur die Linken unterstützten den Antrag.
Es ging um die Situation der Kaninchen in den Mastbetrieben, um die Haltung von Zirkustieren und um ein Einfahrverbot für Delfine nach Deutschland. Zu allen drei Themen hatte es ausführliches Infomaterial, auch Videoaufnahmen über die Haltungsbedingungen der Mastkaninchen und eine wissenschaftliche Begründung für das Einfahrverbot von Delfinen gegeben. Doch alle Mitglieder der Regierungspartei stimmten gegen diese Gesetzentwürfe.
Was sich da im Moment abspielt ist in meinen Augen ganz schlimm. Unter Schwarz-Rot ist der Tierschutz kraft- und mutlos geworden. Die Bilanz in Sachen Tierschutz ist mehr als enttäuschend. Für mich ist klar, dass die Wahltermine zur Europa- und Bundestagswahl deshalb auch eine Wahl für mehr oder weniger Tierschutz wird.
Ich befürchte nur, dass immer mehr Menschen vor dem, was sie zur Zeit erleben, resignieren und sie nicht zur Wahl gehen werden, aus Frust über die Zustände im Land und weil sie glauben, ja doch nichts bewirken zu können. Das stimmt so nicht. Wählen zu dürfen ist ein Privileg, ein Freiheitsrecht, aber auch eine Pflicht, für das Menschen einmal auf die Straße gegangen sind und ihr Leben riskiert haben. Ich appelliere deshalb an alle Tierfreunde und Tierschützer. Gehen Sie zur Wahl und machen Sie von Ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch. Geben Sie Ihre Stimme den Parteien, die nicht nur Banken retten wollen, sondern denen, die etwas in den Bereichen Umwelt, Arterhaltung und Tierschutz und damit etwas für die nächste Generation tun wollen. Politiker, die nur auf die Steuereinnahmen der Zoos schielen und die von denjenigen unterstützt werden, die mit dem Elend der Tiere Millionen verdienen, sind keine würdigen Volksvertreter sondern Parteienvertreter, die nicht wert sind, von den Bürgern gewählt zu werden.
Ein gutes Wahlergebnis für Bündnis 90/ Grüne oder für die Tierschutzpartei wären ein gutes Zeichen dafür, in welche Richtung Politik nach dem Wunsch der Bürger gehen soll. Dass Sie alle, liebe Leser, zur Wahl gehen versteht sich von selbst, aber überlegen Sie sich bitte gut, wohin Sie Ihr Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen. Nicht aus Gewohnheit immer die gleiche Partei ankreuzen, fassen Sie Mut und geben Sie ihre Stimme denjenigen, die ihrerseits ihre Stimme für die schwächsten, für die Tiere erheben.
Ihre Uschi Lohse