Falko
...
eine traurige Begegnung ...
Am
Mittwoch, den 17. Juni `09, erreichte uns der Anruf einer Frau, die in ihrem
Garten einen größeren, anscheinend nicht fliegen könnenden Vogel gefunden hatte.
Da sie Angst hatte, der Vogel könne durch die herumstreunenden Katzen in
Lebensgefahr geraten, bat sie uns, das Tier abzuholen.
Ich machte mich daher mit einer Transportbox auf den Weg in den einige Kilometer
entfernt liegenden Nachbarort. An der angegebenen Adresse warteten schon die
Dame und ihr Mann mit einer Plastikwanne, in die sie den Vogel auf Handtüchern
gebettet hatten, auf mich.
Da ich eigentlich erwartet hatte, eine Drossel oder aber einen Kuckuck
vorzufinden, war ich sehr überrascht, als ich in der Wanne einen Raubvogel,
einen Baumfalken, entdeckte!
Er sah mich aus großen, schwarzen Augen an – war aber ganz ruhig. Auch, als ich
ihn dann mit beiden Händen ergriff und ihn von der Wanne in die Transportbox
setzte, war er ganz ruhig, worüber ich verwundert und zugleich auch beunruhigt
war.
Auf dem nächsten Weg fuhr ich dann zu unserer Tierärztin, um das Tier
untersuchen zu lassen. Hier war er dann aber gar nicht mehr ruhig, sondern sogar
mehr als lebhaft. Die Untersuchung ergab, dass er anscheinend keine Verwundungen
hatte. Die Füße waren o.k., was ich am eigenen Leib zu spüren bekam, denn er
erwischte meinen rechten Daumenballen, in den er sich mit einem Fuß festkrallte.
Es war gar nicht mal so leicht, die Zehen auseinander zu drücken, um seine
Krallen aus meinem Daumen wieder heraus zu bekommen. Die Tierärztin untersuchte
dann noch die Flügel, die anscheinend auch o.k. waren, wobei wir aber Beide
nicht bemerkten, dass sich der ziemlich wild gebärdende Vogel wohl in der Hand
der Tierärztin umgedreht hatte – anders ist es nicht zu erklären.
In Übereinstimmung mit der Tierärztin nahm ich an, dass der Vogel wohl –
entweder gegen eine Scheibe, oder gegen ein Auto geknallt und dementsprechend
benommen gewesen war.
So
nahm ich den Vogel mit nach Hause, wo ich ihn zuerst einmal mit Wasser
versorgte, was er auch sofort annahm. Anschließend fütterten wir (meine Frau und
ich) ihn mit Rinderhack und auch dieses Futter nahm er an. Er vertilgte ziemlich
viel davon, was darauf schließen ließ, das er wohl schon einige Zeit lang keine
Nahrung mehr bekommen hatte.
Da er am nächsten Tag aber keine Anstalten machte, davon zu fliegen, sondern nur
auf seinen Füßen sich hüpfend fortbewegte, setzten wir uns noch mit einer
anderen Tierarztpraxis in Verbindung, in der eine auf Vögel spezialisierte
Ärztin tätig ist. Von dort aus sollte er dann einem Falkner übergeben werden.
Also fuhren wir mit dem Tier in die über 20 Km entfernte Stadt. Die ganze Zeit
über war der Vogel ganz ruhig. Hatten wir ihn am ersten Abend das Hackfleisch
noch mit einer Pinzette gereicht, so hatte meine Frau am nächsten Morgen den
Raubvogel sogar mit der Hand gefüttert! Zum Glück habe ich das fotografiert,
weil uns das sonst vermutlich keiner geglaubt hätte!
Dann kam aber die böse Überraschung. Die Vogelspezialistin wollte das Tier noch
einmal untersuchen, bevor er in den Wildpark kommen sollte.
Sie hatte das Tier in ein Handtuch gehüllt, damit sie vor Bissen bzw. vor den
Krallen sicher war.
Die Füße hatte sie schon untersucht und auch den einen Flügel, als sie sagte:
‚Jetzt schauen wir uns noch den anderen Flügel an’.
Und dann fiel dieser entsetzliche Satz:
‚Da ist ja gar kein Flügel’!!! – Wir Alle, meine Frau, die 2. Tierärztin, die
auch dabei war und auch ich, standen wie vom Donner gerührt!
Ja – es stimmte, da war kein Flügel mehr vorhanden, nur noch der abgesplitterte
Rest des Flügelknochens war vorhanden!!!
Und
was das Allerschlimmste war, in der Wunde waren bereits die Maden!!!
Also musste der Vogel wohl schon länger mit dem abgerissenen (abgebissenen?)
Flügel unterwegs gewesen sein!
Was muß das arme Tier gelitten haben, welche Schmerzen müssen ihn geplagt
haben???
Wir sahen uns alle vier gegenseitig an und schüttelten den Kopf.
Ich hatte es erst eine Woche vorher erlebt, dass einer von unseren Hasen
von Maden befallen war und ‚erlöst’ werden musste!
Selbst die Tierärztin hatte feuchte Augen, als sie dem Vogel die Spritze
gab, um ihm weitere Qualen zu ersparen!
Es war so ein wunderschöner Vogel und ich hätte wer weiß was dafür gegeben - - -
wenn man ihm hätte helfen können!!!
Auch jetzt noch, wo ich diese Zeilen schreibe, sitzt mir ein dicker Klos im Hals
und die Tränen stehen mir in den Augen.
Der einzige Trost für uns ist, dass dieses Tier nicht noch länger hat leiden
müssen!
Good-Bye Falko!
Dieter
Mühlena