Adieu, mein kleiner Freund ...

Er war klein, er war grün, er konnte nicht fliegen und einen richtigen Namen hat er auch nicht gehabt.
Und doch hatten wir jahrelang unsere Freude an ihm – denn er war lieb!
Wenn er auf dem Finger saß, dann hörte er zu, als ob er Alles verstehen konnte.
’Krümelchen’ hatten wir ihn genannt – ich weiß nicht einmal mehr warum – es ist zu lange her.
Viele Jahre war er ein lieber kleiner Fruend und wenn er mal auf den Boden plumste, weil ein anderer ihn geschubst hatte, dann kletterte er mit Hilfe des Schnabels an der Übergardine wieder nach Oben, geradeso, als ob er sagen wollte, ich kann zwar nicht fliegen, wie die Anderen, aber ich laß mich deswegen nicht unterkriegen!
’Krümelchen’ war ein Wellensittichmännchen. Eigentlich sollte er ja ein Weibchen sein – als Gefährtin für unseren Bubi und als wir ihn damals holten, sah es auch so aus, als ob er ein Weibchen wäre, denn er hatte eine beige Nase. Doch im Laufe der Zeit wurde die Nase blau, also doch ein Männchen – aber die zwei verstanden sich trotzdem!
Im Laufe der Zeit kamen noch andere Vögel dazu, auch andere Wellensittiche. Doch die Beiden blieben Freunde, saßen immer zusammen.
Als unser Bubi dann vor zwei Jahren starb, da war ’Krümelchen’ ganz traurig – tagelang hat er nichts gefressen, keine Körner, kein Leckerli konnte ihn reizen. Aber auch die anderen Wellensittiche interessierten ihn nicht. Er blieb für sich allein, auch wenn er mit den Anderen zusammen im Häusle war oder Abends mit allen Anderen im Wohnzimmer war und die herumflogen. Vielleicht fühlte er sich doch etwas ausgegrenzt, weil er nicht fliegen konnte???

Aber er kletterte immer auf den Häuschen und auf dem Kletterbaum herum, als ob es ihm gar nichts ausmachen würde!
Wenn es dann Zeit war, Schlafen zu gehen, dann kletterte er vom Kletterbäumchen auf das Dach des Häuschens und ließ sich damit in´s andere Zimmer `rüber tragen, wo er dann ganz alleine an den Gitterstäben herab kletterte und auf sein Schaukelchen ging.
Gestern Abend da bekam ich einen Schreck, als ich die ’Piepmätze’ in´s ’Schlafzimmer’ bringen wollte. Wo war mein Krümelchen – nicht auf einem der Häuschen, nicht auf dem Kletterbaum! Alles Rufen und Suchen half nichts! In alle Ecken habe ich mit einer Taschenlampe geläuchtet – kein Krümelchen. Inzwischen aber waren die Anderen (Wellensittiche, Nympfensittiche und unser Buchfinkmädi) schon in´s andere Zimmer geflogen. Voller Sorge trug ich die Häuschen in das andere Zimmer, in dem unsere Vögel die Nacht verbringen. Da entdeckte ich ihn – ganz in der Ecke auf dem Boden des Häuschens er war wohl schon müde gewesen? Denn immerhin Krabbelte er am Gitter hoch und setzte sich auf seine Schaukel, als auch die Anderen in´s Häuschen kamen. Als wir später noch einmal nachsahen, da saß er aber nicht mehr auf dem Schaukele, er saß wieder im Eck auf dem Boden! Und erst da erfuhr ich von meiner Frau, dass er am Tag davor auch schon so ‚’komisch’ gewesen sei, aber sie hatte mir nichts gesagt. Meine Frau hat ihn dann allein in ein kleineres Häuschen getan, da die anderen Vögel ganz aufgeregt und erschreckt waren. Vermutlich haben die sich erschreckt, als er vom Schaukele gefallen ist?! Als sie dann später in der Nacht noch einmal nach ihm sehen wollte – da lag er steif und tot in einer Ecke!
Unser Krümelchen hatte sein Leben ausgehaucht! Auch, wenn wir noch mehrere Vögel haben – er wird mir im Gedächtnis bleiben und ich werden ihn vermissen!
D.M.